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Sonntag, 5. Januar 2014

Wild-Card-Wochenende beginnt mit epischem Comeback-Sieg von Indianapolis gegen Kansas City

Wenn amerikanische Sportmoderatoren gegen Ende eines Spiels „You can’t make this up, folks“ ins Mikrofon brüllen und anfangen zu lachen, dann scheint das Spiel ein wahrlich verrücktes gewesen zu sein. In der Tat geht das Wild-Card-Playoffs-Spiel der Kansas City Chiefs gegen die Indianapolis Colts wohl in die Geschichtsbücher ein und ein junger Star baut weiter an seiner Legendenbildung. Doch der Reihe nach.

Chiefs überragend in Halbzeit eins
Die Kansas City Chiefs gingen als Außenseiter in die Partie in Indianapolis, gegen das Team, gegen das sie erst vor ein paar Wochen noch verloren hatten und welches mit 3 Siegen Schwung für die Playoffs aufgebaut hatte. Davon war aber in der ersten Halbzeit nichts zu sehen. Die Chiefs dominierten das Spiel. Ein starker spielbeginnender Drive endete nach 7 Minuten und 82 Yards in der Endzone und das obwohl Star-RB Jamaal Charles verletzt vom Platz musste. Die Colts antworteten zwar ihrerseits mit einem beeindruckenden Drive, in dem aber schon deutlich wurde, dass sie nur mit einem Spieler das Spiel gewinnen konnten: QB Andrew Luck. Nicht nur wegen seiner Klasse, sondern weil ihr Laufspiel quasi nicht vorhanden war. Der 7-7 Ausgleich war nur eine Momentaufnahme. 2 lange Pässe von Chiefs-QB Alex Smith brachten die nächsten Punkte für Kansas City, welches seit Joe Montana auf einen Playoff-Sieg warteten. Nach einem Fumble von RB Trent Richardson bei seinem ersten Laufspielzug und einem nächsten Touchdown der Chiefs, sah das schon mal nicht schlecht aus. Alex Smith spielte fantastisch auf, wirkte sicher und oft sogar sehr mutig mit seinen Würfen, z.B. einigen „shuffle“-Pässen. Zudem nutze Coach Andy Reid oft die Lauffähigkeiten seines QBs und setzte auf Options-Spielzüge, welche die Colts-Defensive das ganze Spiel über nicht in die Griff bekamen. Und die Defensive der Chiefs dominierten nicht nur die „Line of Scrimmage“, und übte immer wieder Druck auf Andrew Luck aus, nein, die führten dann auch zu entscheidenden Ballverlusten. Ein wiederum sehr langer, gut designter Drive der Chiefs gegen Ende der ersten Halbzeit mit einem Touchdown am Ende, brachte schon fast die Vorentscheidung: mit 31-10 ging es in die Pause.

Comeback für die Geschichtsbücher
Und es wurde noch besser für Kansas City, und schlechter für Luck und Indianapolis. Erster Versuch in der zweiten Halbzeit, erster Pass: Interception und die Chiefs mit einem folgenden TD durch einen kurzen Pass auf RB Knile Davis, der für  Jamaal Charles die Hauptrolle im Laufspiel der Chiefs übernommen hatte und schon im letzten Saisonspiel 2 TDs erlief. 38-10. Das Spiel war damit quasi beendet.
Doch dann folgte die Wiederauferstehung der Colts. Angeführt von Luck, der sich nun umringt von mehreren Chiefs-Verteidigern immer besser bewegte und WR T.Y. Hilton stellte ein Touchdown schnell wieder den Anschluss her. Das Momemtum wandte sich. Und mit einem Sack und Fumble verursacht von Star-Verteidger Robert Mathis an Alex Smith folgten wiederum Punkte für die Colts. Nur noch 38-24.
Kansas City wirkte verunsichert, vor allem auch wegen einigen verletzungsbedingten Ausfällen, welche sich nun immer mehr häuften: Brandon Flowers als bester Cornerback musste verletzt raus, ebenso wie vorher  RB Charles und WR Avery (jeweils mit Gehirnerschütterung). Sollte hier tatsächlich noch eine Wende eingeleitet werden?
Eine gute Verteidigungsleistung stoppte zumindest schon mal die Chiefs Offensive und brachte Luck wieder in Position. Doch dieser warf abermals einen schlechten Pass, dieses Mal auf T.Y.Hilton, welcher den Ball nicht richtig fangen konnte und Chiefs-CB Abdullah den Ball an sich riss – die dritte Interception von Luck. Die Folgen hielten sich in Grenzen, da die Chiefs nur ein FG draus machten. Trotzdem ein fataler Ballverlust in diesem Moment des Spiels.

Andrew Luck der Matchwinner
Doch Andrew Luck wollte das Spiel jetzt unbedingt drehen: Er improvisierte einige Würfe und trimmte das Tempo der Playcalls nochmals deutlich nach oben. Ein schneller TD zu TE Fleener machte es 41-31 und keine Punkte beim nächsten Kansas City-Drive machten weiterhin Hoffnung. Und die Offensive um Andrew Luck war nun nicht mehr stoppen. Luck bewegte sich in der „pocket“ immer wieder großartig, kreierte Spielzüge und lief sogar selber. Dann fumbelte jedoch RB Brown kurz vor der Endzone, der Ball fiel Luck vor die Füße, nahm ihn geistesgegenwärtig auf und er streckte sich damit in die Endzone. 41-38. „You can’t make up this, folks…” kommentierte Mike Mayock, Ober-Analyst bei NFL Network. Wenn das Wort “Momentum” jemals eine Bedeutung, dann in diesem Spiel.
Doch die Chiefs – trotz einer weiteren Verletzung, dieses Mal vom so wichtigen RB Knile Davis – brachten weiter einen erstaunlichen Drive zusammen. Eigentlich ein Play-Calling-Alptraum mit so vielen Optionen nicht mehr vorhanden. Erstaunlich, welche Spieler von der Bank auf einmal wichtige Würfe fingen. Ein Field Goal zur 6 Punkte Führung war die Belohnung. Andrew Luck brauchte nun schon (mal wieder) einen Game Winning Touchdown Drive. 4 Spielzüge  und ein 64-Yard-Touchdown-Pass später war esgeschehen. T.Y.Hilton lief sich frei und Luck warf einen wunderbaren Pass, der im Touchdown endete. Unfassbar.

Chiefs am Ende ohne Glück (und Spieler)
Doch das Spiel war noch nicht zu Ende, 4 Minuten noch zu spiele und nur 1 Punkt Rückstand. Kommen die Chiefs noch mal zurück? Zwei Spielzüge später waren sie jedenfalls schon in der Hälfte der Colts. Doch ein Intentional Grounding des unter Druck geratenen Alex Smith zwang sie wieder zurück. Es musste ein vierter Versuch und 11 Yards her. Doch ein Pass von Smith zu WR Dwayne Bowe kann dieser nur mit einem halben Schritt im Aus fangen. Das Spiel war zu Ende und eines des größten Comebacks in der Geschichte der NFL perfekt.



So begann also das WILD-Card-Wochenende… - verrückter ging es kaum.
Den Colts muss man hoch anrechnen, weiter an sich geglaubt zu haben. Sie zogen ihr Spiel weiter durch und zerstörten nahezu die Passverteidigung der Chiefs. Spielen sie diesbezüglich weiter so explosiv, dürften sie für jeden Gegner eine Gefahr sein. Und mit Andrew Luck haben sie wirklich immer eine Chance zu gewinnen. Dass die Verteidigung gerade gegen die verletzungsfreien Chiefs in der ersten Halbzeit ziemlich hilflos aussah, dürfte aber zu denken geben. Tom Brady und Peyton Manning werden ähnlich Lücken bestimmt ebenso ausnutzen.

Die Chiefs müssen diese Niederlage erst einmal verdauen. Ihnen gingen am Ende schlicht die Puste bzw. die Spieler aus. So viele Verletzte innerhalb eines so wichtigen Spiels gab es wohl noch nie. Ganz scheiterten sie an ihrem ersten wichtigen Sieg in dieser Saison, 1 Punkt fehlte am Ende.

Aber hey, danke für dieses Spiel.

ms

Dienstag, 8. Januar 2013

Wildcard-Sonntag: Drama um RG3 und triumphaler Abschied von Ray Lewis in Baltimore

Als ob der Wildcard-Sonntag nicht schon genug Stoff für Geschichten lieferte und zwei spannende Begegnungen bevor standen, sorgte schon vor dem Spiel der Ravens gegen die Colts ein Vorkommnis für Dramatik: Offensive Coordinator Bruce Arians, der den an Leukämie erkrankten Cheftrainer Chuck Pagano hervorragend vertreten hatte, klagte während des Team-Essen über Schmerzen und musste ins Krankenhaus eingeliefert werden. 

Colts-Offensive ohne Verwertbares gegen die Ray & Company
Ersatzweise musste der Quarterback-Coach der Colts die Spielzüge ansagen, was insgesamt wohl ein ungewohntes Gefühl für die Colts-Offensive war. Sie spielten zwar weiterhin sehr variabel und mit einem nahezu ausgeglichenen Verhältnis zwischen Pass- und Laufspielzüge, aber der entscheidende Pass oder Durchbruch durch die Verteidigungslinien gelang dem Angriff aus Indianapolis nicht wirklich. Ungünstigerweise: das gesamte Spiel nicht!
Kein einziger Touchdown blieb QB Andrew Luck und Co gegen Baltimore verwehrt. Oft legten das Team eine gute Reihe von Spielzügen hin, aber immer wieder war in oder vor der Red-Zone Schluß. Zwei Drittel der Spielzeit hatten die Colts den Ball, aber daraus machen, konnten sie wenig. Jedes Yard mussten sie sich gegen die Ravens Defense erkämpfen, oft waren 3 Versuche nötig - am Ende waren es sage und schreibe 20 Dritte-Versuche - das zährt. 
Dafür mitverantwortlich: Ray Lewis!
Der Linebacker war nach langer Verletzungspause wieder zurück im Team und hatte seinen Mannen auch noch dadurch motiviert, dass dies seine letzten Spiele im Ravens-Trikot sein würden. Dementsprechend ging die Defense der Ravens dann auch zu Werke. Auch Lewis spielte sehr gut, machte wichtige Tackles und hätte noch fast eine Interception gefangen. Von der Intensität der Defensive war im Angriff der Ravens aber lange Zeit nicht viel zu sehen. Zwar auch sehr ausgeglichen, aber Star-RB Ray Rice verlor den Ball gleich zweimal, was Punkte verhinderte und lange Zeit das Spiel offen hielt. Erst kurz vor der Halbzeitpause reihten QB Joe Flacco und Co einige gute Spielzüge aneinander und gingen mit einem 10-6 in die Pause.

Boldin zeigt seine Wichtigkeit - gerade in den Playoffs
Die zweite Halbzeit stand dann aber ganz im Zeichen von Anquan Boldin. Der 32-jährige Wide Receiver war lange Zeit nicht so wirklich im Fokus der Beobachter des Teams, aber in den Playoffs wird er zur wichtigsten und vor allen Dingen sichersten Anspielstation für Joe Flacco. Durch mehrere gefangenen lange Würfe an der Außenlinie bereitete er den TD zum 17-6 vor und fängt in einer kritischen Phase auch noch selbst einen Pass in der Endzone zum vorentscheidenden 24-9. Arbeitsnachweis: 5 gefangene Pässe für 145 Yards. Das ist mal ordentlich.
Die Colts hatten zwischenzeitlich sogar mal danach ausgesehen, ins Spiel zurückzukommen. Kicker Adam Vinateri verfehlte nach dem 2. Ray-Rice-Fumble ein Field Goal zum 12-17, ein langer Ball auf WR Avery kann nicht festgehalten werden und Rookie-QB Luck wirft kurz vor der Endzone bei 4th and 1 eine Interception - die Colts hatten ihre Chancen, konnten sie aber leider nicht nutzen. Da sind die Ravens ihnen noch einen deutlichen Schritt voraus und schlicht erfahrener. Vielleicht sieht das nächste Saison schon anders aus. Die überragende Saison des jungen Teams aus Indianapolis muss nächstes Jahr erstmal wiederholt werden. Für Baltimore geht es jetzt nach Denver. Peyton Manning vs Ray Lewis... oh lord.!
ob er dann auch wieder tanzt?



Das Duell der Rookies in Washington
Das zweite Spiel am Sonntag-Abend hatte es ebenso in sich. Die beiden zumindest in ihrer Form Überraschungsteams der NFC standen sich gegenüber. Die Washington Redskins mit ihren beiden Rookie-Stars - QB Robert Griffin 3 und RB Alfred Morris - und die Seattle Seahawks mit QB Russell Wilson.
Von den Seahawks war aber im ersten Viertel so gut wie nichts zu sehen! Die Redskins legten los wie die Feuerwehr und waren gleich voll da: Pässe, Laufspielzüge - ausgeglichen wie immer - jagten sie übers Feld. Plötzlich stand es 14-0 durch zwei kurze TD-Pässe von RG3. Wow, das war schon beeindruckend, gerade auch RB Alfred Morris, der im Schnitt auf 5 Yards pro Spielzug kam.
Ein Wermutstropfen war aber schon bei dem zweiten Touchdown-Drive zu verkraften: Bei einem Wurf beim Laufen bzw. im Fallen verdreht sich RG3 ein wenig das eh schon lädierte Knie und spielt danach nicht mehr wie der alte! Er humpelte nur noch über das Feld - spätestens da hatte die Seahawks-Defense Run-Option der Redskins und RG3 wohl aus ihrem Gefahren-Plan gestrichen...

Nach dem ersten Viertel: nur noch Seattle
Die Seahawks mussten nach dem Rückstand erstmal im Spiel ankommen und sich auf ihre Stärken besinnen, und das hieß in diesem Fall oft RB Marshawn Lynch, der mit dem zweiten Viertel aufdrehte, genauso wie QB Russell Wilson. Schon zur Halbzeit vollendeten die Seahawks 3 Drives mit Punkten und es ging mit 13-14 in die Pause. RG3 hatte mittlerweile deutliche Probleme und bei einem langen Wurf auch noch hervorragend intercepted.
Und die Seahawks hörten einfach nicht auf Druck zu machen und fanden sichtlich in ihre Form der letzten Wochen (150 Punkte in 3 Spielen) zurück. Selbst ein Fumble im dritten Viertel von Lynch kurz vor der Endzone brachte das Team nicht aus dem Rhythmus. Die Redskins Verteidigung hielt zwar dagegen und verteidigte die Führung, doch offensiv ging so gut wie gar nichts mehr. Zwar war RB Morris weiterhin produktiv, aber von RG3 war nichts mehr zu erwarten: In den letzten 3 Viertel warf er nur für 16 Yards. Es war nur noch eine Frage der Zeit, bis die Überlegenheit der Seahawks auch in Punkte umgewandelt würde. Im vierten Viertel macht ausgerechnet RB Lynch seinen Fehler wieder gut und erläuft - mit blockender Unterstützung von seinem QB - den Touchdown zur 21-14 Führung. Und wer dann noch an eine Wende durch die Redskins gedacht hatte, der wurde gleich in Schockstarre versetzt.

Spiel wird zur Nebensache

Gewillt den Comeback-Drive einzuleiten geht gleich alles schief: Erst ein verlustreicher Sack gegen den angeschlagenen RG3 und dann ein schlechter Snap, der in einen Ballverlust kurz vor der eigenen Endzone resultierte. Seattle machte zwar nur 3 Punkte draus, aber das Spiel war gelaufen. RG3 hatte sich nämlich beim Versuch den Ball beim Snap-Verlust zurückzuholen schwer das lädierte Knie verdreht. Totenstille im Stadion, welche nur durch das Aufrechtgehen des Star-Rookie-QBs wieder aufgelöst wurde. Der eingewechselte und Comeback-Sieg-erprobte Kirk Cousins konnte dann nichts mehr weiter ausrichten. 24-14 hieß es am Ende.
Die Seahawks feiern somit ihren sechsten Sieg in Folge und fahren als eines der heißesten Teams nun nach Atlanta und dort Matt Ryan und Co von ihrem ersten Playoff-Sieg abzuhalten.

Fragen und Kontroverse zum Einsatz von RG3
Das Ende des Spiels war noch nicht mal erreicht, da ging die Diskussion um die Verletzung von RG3 schon los. Experten und Analysten debattierten, warum man den angeschlagenen QB nicht schon früher vom Feld geholt hat. Für jemanden wie mich, der das Spiel live verfolgt hat, stellt sich die gleiche Frage: Es war anzusehen, dass RG3 nicht voll einsatzfähig war - warum riskiert man einerseits noch eine schlimmere Verletzung seines - auch für die Zukunft - wichtigsten Spielers und gibt verschlechtert zudem die Performance seines Angriffspiels? Für mich komplett unverständlich.
Garniert wird diese Frage noch mit einem Artikel von USA Today, in dem der Teamarzt der Redskins - Dr. James Andrews - schon beim im Spiel gegen die Baltimore Ravens RG3 niemals für wieder spielfähig deklariert hatte, wie Coach Mike Shanahan in einem Interview nach dem Spiel gesagt hatte. Er hätte Griffin während dieses Spiels gar nicht untersucht, erst als dieser nach weiteren 4 Spielzügen selbst nicht mehr konnte und Kirk Cousins den Sieg der Skins perfekt machte. Andrews war auch noch vor dem Spiel gegen Seattle immer noch sehr besorgt über den Zustand RG3s. Er hätte ihn nicht so schnell wieder spielen lassen und alles was jetzt passiere, geschähe in einem Erholungsmodus - und das obwohl RG3 alle relevanten Tests zu seiner Spielfähigkeit bestanden hatte.
Die Eingeschränktheit war am Anfang des Spiels vielleicht noch nicht so offensichtlich, aber spätestens im zweiten Viertel war dies eindeutig. Coach Shanahan hatte in seiner Pressekonferenz eine einfach Antwort: Er fragte RG3, ob es noch ginge und dieser bejahte dies und fügte hinzu, er hätte es verdient, auf dem Feld zu bleiben. Der Coach konnte dem nicht widersprechen und vertraute seinem Spieler und seinem Bauchgefühl - obwohl er über dieses jetzt die Ferien drüber nachdenken werde.
Griffin selbst gab sogar zu, er habe sich wohl einem größeren Risiko ausgesetzt als sonst schon, aber er sei schließlich der QB und die beste Option für das Team und müsse deshalb auf den Platz. Heroenhaftes Verhalten, was übrigens von nahezu allen Experten - meist Ex-Spielern - durch die Bank gelobt wurde. Wenn ihr mich fragt: In solchen Fällen hätte man den Spieler auch mal vor sich selbst schützen können. Das RG3 fast erst krauchend vom Feld kommt, entspricht vielleicht dem aufopfernden Härte-Verständnis vom Nationalsport American Football, mit gesundem Menschenverstand eher weniger...



ms

Montag, 19. November 2012

Colts am Ende ohne Glück

Zu Beginn des vierten Viertels. Die Colts stehen an der 23-Yard-Linie der Patriots. Andrew Luck wirft einen kurzen Pass zur linken Außenlinien für Reggie Wayne. Doch Luck wirft zu spät und der Pass landet im Rücken von Wide Receiver Wayne und in den Armen von Alfonzo Dennard. Vor Dennard sind nun 80 Yards grüner Rasen. Der einzige, der den Weg zum Touchdown versperren will, ist Andrew Luck, der von der Mitte schräg auf ihn zu stürmt. Doch Luck verpasst ihn. Ein symbolisches Bild für das gesamte Spiel, das die New England Patriots am Ende deutlich mit 59 zu 24 gewinnen. 


Mit Chuck und Luck zu den Playoffs
So deutlich wie das Ergebnis am Ende war, so deutlich war es im ersten Viertel noch nicht. Die Indianapolis Colts, die letzte Saison nur zwei Spiele gewinnen konnten und mit dem ersten Pick im Draft belohnt wurden, führten 14 zu 7. Mit einer guten Mixtur aus unterschiedlichen Lauf- und Passspielzügen konnte die Mannschaft aus den Indiana die Patriots Verteidigung in Bedrängnis bringen. Besonders Andrew Luck, der erste Pick im diesjährigen Draft, glänzte mit äußerster Präzision. Alles in allem sahen die Colts nicht aus wie das Team vom letzten Jahr und trotz der Niederlage können sie auf Grund ihres machbaren Spielplans in die Playoffs kommen. Mit einer Bilanz von 6-4, auf dem 5. Platz der AFC und vier von sechs kommenden Spielen, die zu gewinnen sind, wäre allein die Playoff-Teilnahme ein großer Erfolg für Quaterback Andrew Luck, Besitzer Jim Irsay und den von Leukämie gezeichneten und pausierenden Cheftrainer Chuck Pagano.

Patriots dominieren! Favorit für den Superbowl?
Aber Ehre wem Ehre gebührt. Die Patriots gewinnen ihr viertes Spiel in Folge und kontrollieren die AFC East mit deutlichem Vorsprung. Vor der Saison hatte ich das Team aus Foxborough als einen Favoriten für den kommenden Superbowl. Neben anderen Fehleinschätzungen ist der Superbowl-Pick wohl noch das was am ehesten eintrifft.
Nachdem erste Viertel war das Spiel, wie so viele Spiele zuvor, geprägt von der Dominanz der Patriots. Ihren ersten Punt verbuchten sie erst im dritten Viertel, ansonsten schlossen sie jeden Drive mit Punkten ab und bestraften jeden kleinen Fehler der Colts. Zum Beispiel nach dem Defensive End Rob Ninkovich Andrew Luck den Ball abnahm, warf Tom Brady 6 Sekunden später mit seinem ersten Ballkontakt nach dem Turnover einen 24-Yards Touchdown-Pass zum Tight End Rob Gronkowski.
Der Star auf dem Feld war aber Julian Edelman, ein perfektes Beispiel für den idealen Patriots-Spieler-Typ. Bei anderen Mannschaften durch das Raster gefallen, an einem mittelklassigen College drei Jahre als Quaterback gespielt und bei den Patriots zu einem extrem gefährlichen und vielseitig einsetzbaren Wide Receiver und Returner geworden. Sein Punt-Return-Touchdown und sein 2-Yards Touchdown-Pass von Brady sind das Ausrufezeichen an diesem Abend. Zurzeit scheinen die Patriots allen davon zu laufen.




mh

Samstag, 10. November 2012

Frontrunner zur Midseason

Vor zwei Wochen wollte ich noch schreiben, in der NFL herrsche nur noch Mittelmaß und Spielausgänge hängen schlicht von der Tagesform einiger Spieler (oder Schiris) ab. Doch zur Mitte der Saison scheint sich so langsam eine Gruppe von Teams abzuzeichnen, die sich so ein wenig als Favoriten für die Playoffs herauskristallisieren.

Ausgeglichen wie noch nie
Trotzdem muss man ehrlich zugeben, dass diese NFL-Saison wohl eine der ausgeglichensten Spielzeiten jemals ist. In Woche 7 spielten die St.Louis Rams gegen die Green Bay Packers, beide mit einem Rekord von 3-3... - das sagt alles. Obwohl beide Teams im letzten Jahr noch Lichtjahre voneinander entfernt waren. (ok, wer das Spiel gesehen hat, weiß, dass beide Mannschaften bei weitem noch nicht auf Augenhöhe sind) Aber viele Teams, die letztes Jahr noch ernsthaft zu kämpfen hatten, überhaupt was auf die Beine zu bekommen, sind jetzt durchaus ernst zu nehmen.
Viel hängt mit dem überragendem Draft-Jahrgang zusammen, vor allen Dingen mit den Quarterbacks - und hierbei die beiden Frontrunner: Robert Griffin 3 und Andrew Luck.
Erst gestern führte Luck die Indianapolis Colts zu einem weiteren überzeugendem Sieg - dem vierten in Folge - gegen die Jacksonville Jaguars. Damit liegen die Colts mit 6-3 Siegen schon recht gut im Playoff-Rennen.
Auch RG3 überzeugt bei den Washington Redskins, die es aber nach einem guten Start jetzt deutlich schwerer haben, ihre Siege einzufahren. Auch Rookie-QB Russell Wilson macht die Seattle Seahawks zu einem ernst zunehmenden Konkurrenten in der NFC. Siege gegen die Patriots und gegen die Packers (najaa, muss man hier hinzufügen), zeugen davon, dass Potential im Team steckt.

Kurz vor dem Sprung
Bei einigen Mannschaften merkt man irgendwie richtig, dass sie kurz davor sind, den nächsten wichtigen Schritt Richtung Liga-Spitze zu tun. Ihnen einfach nur noch die gewissen Prozente und ein Schuss Souveränität und Konstanz fehlen. Seattle würde ich dazu zählen, auch die Colts oder auch Miami und überraschenderweise selbst die Vikings. Natürlich sind auch immer noch die allzeit-kurz-vor-Elite-stehenden Chargers, Cowboys, Tampa Bay und (wohlwollend auch die) Eagles zu nennen. Durch die Rookies QB Brandon Weeden und RB Trent Richardson sind auch die Cleveland Browns zwar immer noch nicht wirklich gut, aber ich bin gespannt auf die zweite Saisonhälfte, wie sich die junge Mannschaft noch stärker zusammen finden wird.

An der Spitze nahezu Erwartetes
Trotzdem sind es auch dieses Jahr wieder die üblichen Verdächtigen, wenn es um die begehrten Playoff-Positionen geht. Aber selbst bei den Teams am oberen Ende ist meiner Meinung nach einiges mit Vorsicht zu genießen. Ich traue dem Braten noch nicht so ganz - jedenfalls bei den meisten Mannschaften, die derzeit in ihren Divisionen oben stehen.
Bestes Beispiel: das derzeit beste Team der Liga: die Atlanta Falcons (8-0). Wenn man sich in Erinnerung ruft, wie das Team um QB Matt Ryan im letzten Jahr von den NY Giants aus dem Stadion gejagt wurden (24:2!), dann muss man skeptisch sein, was dieses Team bisher zeigt. Alles gut und schön, aber in den Playoffs zählts und die Hammer-Teams haben sie bisher nicht gespielt und die eigene Division ist auch gerade nicht gerade Elite. Spiele gegen die Saints und im Dezember gegen die Giants werden dann wohl mehr zeigen.
Ähnliches gilt aber für die dann folgenden Teams in der Sieges-Rangliste, die interessanterweise in dieser Woche aufeinandertreffen: die Chicago Bears (7-1) und die Houston Texans (7-1). Auch da viel Sonne, aber Schatten gibt es auch da. Die Bears O-Line ist weiterhin schwer zu ertragen und QB Jay Cutler oft mehr unter Druck, als ihm lieb ist. Dass er aus diesen Situationen manchmal krasse Dinge hervorzaubern kann, mag richtig sein, manchmal fabriziert er aber auch dann Mist und schreit danach noch seine Teamkollegen an. Alles also auch sehr wackelig, genauso wie bei den Texans. QB Matt Schaub ist zwar solide, aber das ist dann auch alles und sich die ganze Zeit nur auf Arian Foster zu verlassen, kann auch gefährlich sein, wie sich in der Niederlage gegen die Packers zeigte. 

Die einzigen Niederlage der Bears und Texans kamen interessanterweise beide Male gegen Green Bay und damit von einem weiteren Favoritenteam. Nicht wirklich gut gestartet, oft mit Ungereimtheiten - offensiv wie defensiv - und durch einige Schiedsrichter benachteiligt, nehmen die Packers jetzt richtig Fahrt auf - 3 Siege in Folge vor der Bye-Week. Ob die junge Defense und die vielen Verletzten nicht auch noch Tribut zollen müssen, wird sich auch hier zeigen. Gegen die 49ers und Giants, die bisher einen sehr solide Eindruck machen, wird es sicherlich schwer werden in den möglichen Playoffs. Da werden sich sicherlich auch die Patriots wiederfinden, die auch noch nicht so richtig durchgestartet sind und sich zwischenzeitlich mal die Seele aus dem Leib schießen und dann aber auch einen 13Punkte-Vorsprung gegen die Seahawks aus der Hand nehmen lassen. Ganz zu schweigen von den Baltimore Ravens, die ähnlich agieren, zwar immer wieder gewinnen, aber mit einer ungewohnt schlechten Defense durch die Gegend ziehen. Ob das so alles gut geht?
Die Verfolger warten jedenfalls und das ist ja das gute. Noch haben wir nur die erste Hälfte gesehen, jetzt wirds kalt und bitter-ernst. juhu. keep von playing some football :)

ms

Freitag, 30. März 2012

Mock Draft 1.0

Vom 26. bis zum 28. April findet der NFL Draft statt. Wir können es kaum erwarten. Für die Vorfreude haben wir den ersten Teil unseres „Mock Drafts“ gepostet, um denkbare Auswahlmöglichkeiten der Mannschaften zu diskutieren. „Mock Draft 2.0“ folgt in kürze.

Nr. 1 Indianapolis Colts – Andrew Luck, QB
Ehrlich gesagt, sehe ich keinen Unterschied zwischen Robert Griffin III und Andrew Luck, wo viele Experten einen Unterschied sehen. Charles Davis, Reporter beiNFL.com hat argumentiert, wenn Indianapolis einen richtigen Wandel vollziehen will, dann sollten sie den Anti-Peyton- Manning draften. Das wäre RGIII. Aber die Colts sind ein konservativ geführter Verein, der auf Beständigkeit setzt. Auch aus diesem Grund werden sie Andrew Luck auswählen, denn seine Spielweise ähnelt der von Manning. Luck hatte drei äußerst erfolgreiche College Jahre in Stanford und wird sicherlich sehr erfolgreich in der NFL. Teams haben Jahre gewartet bis Luck sich entscheidet in die NFL zu kommen und die Colts sind die Glücklichen, die ihn auswählen dürfen.

Nr. 2 Washington Redskins – Robert Griffin III, QB
Beim Combine Ende Februar war er bei weitem der Schnellste unter den Quaterbacks. Dennoch dürfen seine athletischen Fähigkeiten nicht alles Weitere überblenden. Er wirft den Ball unglaublich präzise, auch auf weite Distanz und überzeugte in Interviews mit Intelligenz und Sachverstand. Die Kritik, er sei zu klein, greift zu kurz. Drew Brees, zum Beispiel, ist 5 cm kleiner. Obwohl RGIII nicht in einer derart aussichtsreichen Mannschaft spielte wie Andrew Luck, machte er in seinen vier Jahren aus den Baylor Bears eine gefeierte Mannschaft. Sein Charisma und seine Führungsqualitäten sind beispiellos. Die Washington Redskins haben viel aufgegeben, um an die zweite Stelle im Draft zu kommen, zwei first-round-picks in 2013 und 2014 und zwei second-round-picks in 2012. Der Transfer hat seine Gründe.



Nr. 3 Minnesota Vikings – Morris Claiborne, CB
Im letzten Jahr haben die Vikings Christian Ponder mit dem 12 Pick in der ersten Runde gedraftet. Ihre Investition soll nicht verschwendet sein, deshalb denken viele Sportreporter, die Vikings nehmen Matt Kalil, Offensive Tackle, University of Southern California. Die Wahl scheint eindeutig, besonders weil sie Adrian Peterson helfen würde. Doch ich will an dieser Stelle anders argumentieren. Morris Claiborne ist ein Spieler, der nicht alle Tage daher kommt. Körperlich gesegnet hebt er sich mit seinem unglaublichen Ballgefühl von seinen Kollegen ab. Der entscheidende Grund aber, der Claiborne den Vorzug vor Kalil geben kann, ist, gute O-Liner werden noch an anderen Stellen so holen sein. Cornerbacks sind gefragt, wie nie zuvor in der Geschichte der NFL. Den durchschnittlichen Cortland Finnegan belohnten die St. Louis Rams mit einem Fünf-Jahres-Vertrag und 50 Millionen Dollar, um nur ein Beispiel zu nennen. Sport-Analyst Michael Lombardi ist der Meinung, dass Free-Agency die Top 10des Drafts diktiert. Deswegen werden CBs hoch im Kurs stehen. Besonders auch weil Passspielzüge die Taktik bestimmen und Mannschaften drei bis vier Widereceiver aufstellen. Ohne gute Cornerbacks hat man keine Chance mehr. Ich erinnere an das knappe Spiel gegen die Green Bay Packers in der siebten Woche der regulären Saison und gegen Detroit Lions in der vierzehnten Woche. Ponder und Vertretung Joe Webb konnten glänzen, doch gegen die Punktemaschinen aus Detroit und Green Bay war die Vikings-Verteidigung nicht gewachsen. Die Receiver aus der Division spielen wie von einem anderen Stern. Chicago hat Brandon Marshall von den Dolphins geholt. Was tun die Vikings? – Sie draften  Morris Claiborne. Er wird die Verteidigung entscheidend aufwerten.

mh

Montag, 5. März 2012

Alles nur Routine? – Der NFL-Combine

Der NFL Combine ist besiegelt. Zwischen dem 22. Februar und dem 28. Februar 2012 wurden in Indianapolis, in dem Stadion, in dem der diesjährige Superbowl stattfand, die 300 aussichtsreichsten Collegeabsolventen für die Öffentlichkeit getestet. Für viele Teams ist dies der erste Moment, wo sie potentielle neue Spieler bei vorgegebenen Trainingseinheiten sehen können. Für viele Spieler ist dies ein wichtiger Moment potentielle Mannschaften von ihrem Können zu überzeugen. Doch bei einigen wenigen ist das Auftreten beim Combine nur Routine. Ihre Resümees wurde schon geschrieben

Luck und RGIII ganz oben
Die beiden besten Spieler der 2012er Abschlussklasse Andrew Luck und Robert Griffin III haben die wichtigste Übung für Quaterbacks in Indianapolis nicht bestritten. Das Werfen. Beide argumentieren, dass sie sich nur verschlechtern können, wenn sie auf fremden Boden mit fremden Passfängern spielen. Für ihre Entscheidung nicht beim Combine geworfen zu haben, haben sie viel Kritik einstecken müssen, und das zu Recht. Ihre Resümees hat das aber nicht geschadet.

Vom Draft zum Saisonstart
Wenn in ein paar Wochen der NFL Draft in New York stattfindet, dann sind bereits alle Tests, die beim Combine gemacht werden, in die Bewertungen eingeflossen, die sich die Teams machen um Collegeabsolventen zu bewerten. Zwischen dem 26. und dem 28. können NFL-Mannschaften, aufgestellt nach dem Abschneiden der letzten Saison junge Talente verpflichten – die tendenziell schlechteste Mannschaft den tendenziell besten Spieler. Für NFL-Teams sind das die wichtigsten Wochen, um ihre Mannschaft für die nächste Saison aufzustellen.
Deshalb werden wir den Draft, Free Agency und Training Camp bis zum Saisonstart am 5. September 2012 begleiten.      

mh